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Diabetes mellitus

Überblick

Synonyme: Zuckerkrankheit

Diabetes mellitus ist eine Störung des Glukosestoffwechsels, die erhöhte Blutzuckerwerte verursacht. Die Ursachen solcher Hyperglykämien sind unterschiedlich. Daher unterscheidet man auch den Typ-1-Diabetes, der wegen seines häufigen Auftretens bei Kindern und Jugendlichen juveniler Diabetes genannt wird, und den Typ-2-Diabetes, den man auch Altersdiabetes nennt. Daneben gibt es noch genetische Veränderungen und Autoimmunprozesse, die für Sonderformen des Diabetes mellitus verantwortlich sind, wie z.B. MODY (maturity onset diabetes of the young) oder LADA (latent autoimmune diabetes with adult onset). Auch können Infektionen, chronische Erkrankungen, Bauchspeicheldrüsenerkrankungen und Schädigungen durch Medikamente zu einem Diabetes führen.

Weltweit steigt die Zahl der Diabetiker an, was auf ungesunde Ernährung, Fettleibigkeit (Adipositas) und eine höhere Lebenserwartung der Diabetiker zurückzuführen ist. Man geht heute von ca. acht Prozent Diabetikern aus, wovon fast die Hälfte eine unentdeckte schleichende Diabetes vom Typ 2 hat.
Von 100 000 Kindern leiden 13,5 an dieser chronischen Stoffwechselerkrankung.

Ursachen

Das Hormon Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Steigt nach einer Mahlzeit der Blutzuckerspiegel an, produziert die Bauchspeicheldrüse Insulin und gibt es direkt ins Blut ab. Insulin bindet sodann an bestimmte Körperzellen, insbesondere Muskel- und Fettzellen, und befähigt diese damit, Glukose aus dem Blut aufzunehmen. Glukose dient als Energielieferant der Muskelzelle. Das Eiweiß Insulin hat auch noch Bedeutung für den Fettstoffwechsel und den Aminosäurestoffwechsel. Bisher sind noch nicht alle Funktionen des Insulins erforscht. Bei einem Mangel an Ausschüttung oder Wirkung von Insulin spricht man von Diabetes.

Die Ursachen für die einzelnen Diabetes-Typen sind unterschiedlich.

Aufgrund seines häufigen Auftretens bereits im Jugendalter wurde der Typ-1-Diabetes früher auch juveniler (jugendlicher) Diabetes genannt. Man geht heute davon aus, dass dieser Typ durch gewisse Erbanlagen und Virusinfektionen begünstigt wird. Dabei greift das Immunsystem des Körpers die sog. B-Zellen der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie. Der Prozess kann Monate oder auch Jahre dauern, bis die typischen Symptome wie starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit und Gewichtsabnahme auftreten. Erst wenn ca. 80 Prozent der Inselzellen zerstört sind, kann die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genug Insulin produzieren, um den Glukosestoffwechsel aufrecht zu erhalten.
Ist ein Elternteil Typ-1-Diabetiker, wird die Krankheit mit einer Wahrscheinlichkeit von 3-5 Prozent auf die Kinder vererbt. Sind beide Elternteile Diabetiker, beträgt die Wahrscheinlichkeit 10-25 Prozent.

Der Typ-2-Diabetes, auch Altersdiabetes genannt, beruht auf einer angeborenen oder erworbenen Unempfindlichkeit (Resistenz) gegen Insulin und tritt auch bei Kindern auf. Das Insulin wird von den Rezeptoren der Zellen gar nicht mehr oder nicht mehr in genügend großer Anzahl gebunden, wodurch ein relativer Insulinmangel entsteht. Die B-Zellen der Bauchspeicheldrüse müssen infolgedessen permanent mehr Insulin produzieren, um den hohen Blutzuckerspiegel zu senken, und werden auf Dauer erschöpft. Ursache für die Resistenz kann ein überreiches Nahrungsangebot sein, wodurch andauernd Insulin zur Senkung des Blutzuckerspiegels produziert wird. Durch das Überangebot an Insulin stumpfen die Rezeptoren ab und benötigen immer mehr Insulin, um Glukose aus dem Blut aufzunehmen. Aufgrund der Erschöpfung der B-Zellen entsteht dann das Krankheitsbild des Diabetes mellitus. Gerade in den wohlhabenden Industrienationen besteht ein andauerndes Überangebot an zuckerhaltiger Nahrung, die den Blutzucker auf sehr hohem Niveau hält. Die Krankheit ist also in den meisten Fällen ernährungsbedingt.

MODY (maturity onset diabetes of the young) ist eine seltene Sonderform des Diabetes und kommt meist schon im Kindesalter oder im jungen Erwachsenenalter vor. Sie wird verursacht durch eine Gruppe von Gendefekten aufgrund derer die B-Zellen nicht in der Lage sind, Insulin zu produzieren. Ca. zwei Prozent aller jugendlichen Diabetiker sind von dieser Art des Diabetes betroffen.

Beim Pankreopriven Diabetes wird die Zuckerkrankheit sekundär durch eine Schädigung der Bauchspeicheldrüse hervorgerufen. Ursachen dafür können eine Entzündung oder Gallensteine sein oder auch eine Grunderkrankung wie Mukoviszidose, bei der die Ausführungsgänge durch Schleim verlegt sind und dadurch Entzündungen entstehen.

Symptome

Es gibt einige für Diabetes typische Symptome, die einzeln und auch zusammen auftreten können und abhängig sind vom Ausmaß des Insulinmangels.

Symptome nach ihrer Häufigkeit geordnet:

  • Starker Durst
  • Mattigkeit
  • häufiges Wasserlassen
  • Juckreiz
  • Heißhunger
  • Sehstörungen
  • Anfälligkeit für Infekte

Bei einem Typ-1-Diabetes dauert es oft Monate, bis ca. 80 Prozent der Inselzellen zerstört sind und der Körper den Mangel nicht mehr ausgleichen kann. Im Gegensatz zum Typ-2-Diabetes sind die Symptome dann aber sofort stark ausgebildet, und es kann schnell zu einem gestörten Stoffwechsel mit einer Übersäuerung des Blutes kommen, der so genannten Azidose, und zum hyperglykämischen Koma, hervorgerufen durch stark überhöhte Blutzuckerwerte (Coma diabeticum).
Bei einem Typ-2-Diabetes sind die Betroffenen zunächst lange beschwerdefrei, so dass die Diagnose meist zufällig gestellt wird. Mit der Zeit entwickeln sie aber dieselben Symptome wie Typ-1-Diabetiker.

Diagnose

Wenn die Beschwerden es nahe legen, dass ein Diabetes vorliegt, müssen Blut und Urin auf ihren Zuckergehalt untersucht werden. Im Blut liegt der Zuckergehalt nüchtern normalerweise unter 110mg/dl, nach einer Mahlzeit sollte er nicht über 140mg/dl steigen. Ab einem Nüchternwert von über 126mg/dl spricht man von einem Diabetes. Ab einem Blutzuckerwert von 160mg/dl scheidet der Körper Zucker über den Urin aus.

Bei überhöhten Blutzuckerwerten sollte ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) durchgeführt werden, bei dem der Patient nüchtern 75g Glukose in 300 ml Wasser gelöst trinkt und der Nüchternblutzucker und der Zweistundenblutzucker aus Kapillarblut gemessen wird. Eine gestörte Glukosetoleranz liegt vor, wenn der Nüchternwert unter 120mg/dl und der Zweistundenwert zwischen 140 und 200mg/dl liegt. Ein manifester Diabetes mellitus liegt bei einem Nüchternwert von über 120mg/dl und einem Zweistundenwert von über 200mg/dl vor.

Ein weiterer Wert, der Rückschlüsse auf die Zuckerwerte der letzten acht bis zehn Wochen zulässt, ist der sog. HbA1c Wert, der über eine Blutentnahme bestimmt wird und der den Prozentanteil des mit Glukose angereichterten Hämoglobins angibt. Dieser liegt beim Gesunden bei ca. 4-6 Prozent und sollte bei einem gut eingestellten Diabetiker nicht über 7 Prozent liegen.
Um Diabetes bei Kindern festzustellen, gibt es Urin-Teststäbchen, die Eltern bei Kindern anwenden können.

Folgen

Erhöhte Blutzuckerwerte über längere Zeit können schwere Folgeschäden nach sich ziehen. Sie verursachen Schäden an den Gefäßwänden der kleinen Blutgefäße oder verursachen Verengungen. So können Blutungen oder Durchblutungsstörungen entstehen, die dann zu Schädigungen der Augen, bis zur Erblindung (Retinopathie), oder der Nieren, bis zum Nierenversagen (Nephropathie), führen können. Außerdem kann es zu Nervenschädigungen mit Sensibilitätsstörungen und veränderter Temperaturwahrnehmung, zu Durchblutungsstörungen (diabetischer Fuß) oder zu Arteriosklerose mit Herz-Kreislauf-Problemen oder Schlaganfall kommen.

Therapie

Am Anfang jeder Therapie sollte eine ausführliche Schulung stehen, in der sowohl über die Folgen eines schlecht eingestellten Diabetes, als auch über das Leben mit Diabetes, Blutzuckerkontrolle und Ernährung aufgeklärt wird.

Eine ausgewogene Ernährung ist für einen Diabetiker noch wichtiger als für einen Gesunden. Dabei muss der Diabetiker nicht völlig zuckerlos essen. Die Kohlehydratzufuhr muss aber beim Diabetiker der körperlichen Leistung genauer angepasst sein.
Bewegung ist auch für den Diabetiker vielleicht nicht die beste, aber dennoch eine Medizin. Durch die Muskelarbeit wird mehr Glukose verbraucht und dadurch der Blutzuckerspiegel gesenkt. Gerade bei Typ-2-Diabetikern kann viel Bewegung die Empfindlichkeit der Zellen auf Insulin erhöhen und so das Krankheitsbild etwas bessern. Bei Übergewichtigen bessert jedes abgenommene Pfund das Krankheitsbild.
Die Ursachen für einen Typ-2-Diabetes sind meistens eine ungesunde Lebensweise und daraus resultierendes Übergewicht. Daher ist eine Umstellung der Lebensweise und Ernährung die Therapie der Wahl. Reicht das allein nicht aus, um das Krankheitsbild unter Kontrolle zu bringen, kann dieser Typ-2-Diabetes auch medikamentös behandelt werden, da die Störung ja nicht auf einem wirklichen Insulinmangel beruht, sondern auf einer verminderten Wirkung des Insulins.

Bei Diabetes-Formen, die auf einer Erschöpfung der Insulinproduktion beruhen, wie z.B. der Typ-1-Diabetes, ist eine Therapie mit Insulin unumgänglich. Die konventionelle Insulintherapie sieht vor zwei- bis dreimal täglich ein festes Verhältnis von schnell wirkendem Normalinsulin und langsam wirkendem Insulin unter die Haut zu spritzen. Diese Methode zwingt den Anwender zu einem geregelten Tagesablauf und führt oft zu schlecht eingestellten Blutzuckerwerten bei einem veränderten Tagesablauf. Eine individuelle Abstimmung von Nahrungsaufnahme, Bewegung und Insulingabe ist nicht möglich.
Bei der heute angewendeten intensiven Insulintherapie wird zwei- bis dreimal pro Tag ein verzögert wirkendes Basisinsulin gespritzt und dann je nach Bedarf und Blutzuckerwert ein schnell wirkendes Insulin nachgegeben. Der Diabetiker kann also je nach Aktivität und Mahlzeit seine Insulindosis variieren. Dies entspricht auch der „natürlichen“ Insulinausschüttung des Körpers.
Es laufen zur Zeit Versuche, das Insulin so zu verpacken, dass es oral eingenommen werden kann. Auch an inhalierbarem Insulin wird gearbeitet.

 

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