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Bulimie

Überblick

Synonyme: Bulimia nervosa, Ess-Brech-Sucht, Fress-Kotz-Sucht

Die Bezeichnung Bulimie wird aus dem griechischen „bulimos“ abgeleitet und bedeutet soviel wie „Ochsenhunger“. Kennzeichnend für diese Krankheit sind Heißhungerattacken, bei denen die Betroffenen in einem regelrechten Fressrausch teilweise bis zu 10 000 Kalorien zu sich nehmen und anschließend absichtlich wieder erbrechen.

Von der Bulimie sind meist Frauen betroffen, etwa 95 Prozent der Erkrankten sind weiblich. Genaue Angaben zur Häufigkeit der Krankheit sind wegen der hohen Dunkelziffer nicht möglich, aber man geht davon aus, dass zwischen zwei und vier Prozent der 15-30-jährigen Frauen betroffen sind, die meisten erkranken vor dem 22. Lebensjahr. Aufgrund des heutigen vorherrschenden Schlankheitsideals hat die Häufigkeit der Krankheit in den letzten 20 Jahren deutlich zugenommen.

Bulimie muss von der Magersucht (Anorexia nervosa) unterschieden werden, auch wenn bei vielen Erkrankten Symptome beider Krankheiten vorhanden sind.

Ursachen

Die Gründe, warum (meist) Mädchen oder Frauen an Bulimie erkranken, sind vielfältig und nicht eindeutig zu benennen. Zum einen möchten sie dem gesellschaftlich vorgegebenem Schlankheitsideal entsprechen, doch da ihre Körperschemawahrnehmung gestört ist, empfinden sie sich als zu dick und unattraktiv und entwickeln starke Minderwertigkeitskomplexe. Zum anderen erleben sie die Essensaufnahme als Trostspender und reagieren mit Heißhungerattacken auf Stresssituationen, seelischen Druck, Leistungszwang und Unzufriedenheit. Oft sind die Patientinnen sehr kontrolliert und funktionieren äußerlich gut, teilweise sind sie sogar an die Familie überangepasst, und die Krankheit ist Ausdruck unterschwelliger Aggression und Wut. Viele Bulimie-Kranke leiden an Depressionen, nicht selten liegt sexueller Missbrauch zugrunde.

Manchmal ist Bulimie eine Folgeerkrankung der Magersucht, oft gehen Missbrauch von Alkohol, Drogen, Medikamenten und autodestruktives Verhalten wie Selbstverletzungen und –verstümmelungen damit einher.

Symptome

Die wichtigsten Merkmale dieser Krankheit sind die wiederholten Attacken von Heißhunger, in denen meist sehr fett- und kalorienhaltige Speisen konsumiert werden, und das danach – mit Hilfe des Finger – selbst herbeigeführte Erbrechen. Man spricht von Bulimie bei einer Mindesthäufigkeit von zwei Heißhungerattacken pro Woche (oft abends oder nachts) über einen Zeitraum von drei Monaten. Diese „Fressattacken“ können allerdings auch unregelmäßig auftreten, manchmal sogar mehrmals am Tag.

Die Betroffenen empfinden einerseits höchste Lust und Befriedigung beim Essen und werden andererseits von Gewissensbissen, Schuldgefühlen und Versagensängsten nach solchen Attacken gequält. Neben dem Erbrechen werden auch Fastenkuren, Abführmittel, Appetitzügler u.a. Medikamente zur Gewichtskontrolle eingesetzt. Zwischen den Anfällen halten sie meist strenge Diät ein oder treiben übermäßig Sport. Bezeichnend ist eine permanente Beschäftigung mit Essen, Kalorien, Gewicht, Figur und Diäten. Meist sind Bulimie-Patienten normalgewichtig, manchmal auch über- oder untergewichtig, aber immer finden sie sich zu dick.

Meist führt die Krankheit zu emotionaler Einsamkeit und depressiven Verstimmungen bis hin zu Suizidgedanken. Zusätzlich können Suchtprobleme (Drogen, Alkohol, Medikamente) oder sogar Borderline auftreten oder sich aus der Bulimie entwickeln.
Um sich die enormen Mengen an Essen zu besorgen, können sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten und nicht wenige der Erkrankten begehen dafür sogar Ladendiebstähle.

Abgesehen von den psychischen Belastungen, zieht Bulimie auch eine Reihe körperlicher Probleme nach sich. Dazu gehören eine Elektolytentgleisung durch das ständige Erbrechen, die Abführmittel und die Fehlernährung. Die Speicheldrüsen sind vergrößert, es kommt zu Zahnschmelzdefekten (aufgrund der Magensäure), zu Durchfall, Verstopfung und Kaliummangel, der wiederum zu Herzrhythmusstörungen führt. Des Weiteren kann es zu Entzündungen der Speiseröhre, zu Magenwandschädigungen, Veränderungen an Haut und Haaren und Störungen des Mineralstoffwechsels kommen. In Folge der Unterernährung gerät das Hormonsystem durcheinander, was zum Ausbleiben der Menstruation bis hin zur Unfruchtbarkeit führen kann.

Diagnose

Bulimie wird erst seit den 80er Jahren beschrieben, und man geht davon aus, dass es verschiedene Phasen mit unterschiedlich ausgeprägter Symptomatik gibt. Die meisten Erkrankten versuchen ihre Krankheit geheimzuhalten, so dass oft erst Jahre später der erste Behandlungsversuch unternommen wird.

Therapie

Zur Behandlung der Bulimie wird mit einer Normalisierung des Essverhaltens die Rückbildung von biologischen Funktionsstörungen und von medizinischen Problemen angestrebt. Die Patientinnen lernen, ihre Nahrung ausgewogen zusammenzusetzen. Dazu gehören eine ausreichende Kalorienzufuhr und eine vernünftige zeitliche Verteilung der Nahrungsaufnahme. Um jedoch die der Bulimie zugrundeliegenden Faktoren zu behandeln und damit die Krankheit endgültig heilen zu können, muss langfristig therapiert werden. Dazu gehören Verhaltenstherapien mit Problemlösungsstrategien z.B. beim Umgang mit Stress oder Konflikten, Familientherapien, bei denen Angehörige mit einbezogen werden, Gestaltungstherapien etc. Nach einer psychotherapeutischen Behandlung sind vierzig Prozent der Betroffenen geheilt, bei zwanzig Prozent wird eine geringe Besserung erreicht, bei vierzig Prozent bleibt der Erfolg aus.

 

Adressen zum Thema "Bulimie"

Kliniken: 3 Einträge

Rehabilitationseinrichtungen: 5 Einträge

Patientenverbände: 3 Einträge

Selbsthilfegruppen: 3 Einträge

 

 



 

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