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Anorexia nervosa

Überblick

Synonyme: Magersucht, Anorexie

Der lateinische Begriff Anorexia bedeutet Appetitlosigkeit, was etwas irreführend ist, denn die Betroffenen leiden nicht an Appetitlosigkeit, auch wenn sie die Nahrungsaufnahme deutlich einschränken. Sie hungern absichtlich, bis sie teilweise weniger als 30 Kilo wiegen, ungefähr 10-15 Prozent der Erkrankten hungern sich zu Tode.

Betroffen sind meist Mädchen und Frauen zwischen 12 und 30 Jahren (etwa ein Prozent aller Frauen dieser Altersklasse sind magersüchtig), doch der Anteil männlicher Patienten steigt (mittlerweile sind 5-10 Prozent der Erkrankten männlich). Aufgrund des gesellschaftlich vorgegebenen Schlankheitsideals nimmt die Krankheit seit einigen Jahrzehnten deutlich zu. Besonders gefährdet sind Mädchen in der Pubertät, die Schwierigkeiten haben, sich mit ihrer weiblichen Geschlechterrolle zu identifizieren. Die Patientinnen gehören meist zur Mittel- und Oberschicht und verfügen oft über einen hohen Intelligenzgrad.

Anorexia muss von Bulimie abgegrenzt werden, wobei aber beide Formen auch teilweise kombiniert auftreten können, der Übergang ist fließend. Viele Patientinnen haben Symtome sowohl der Anorexia als auch der Bulimie, diese Mischung wird Bulimanorexie genannt.

Ursachen

Bisher konnten keine körperlichen Ursachen für Anorexia nervosa nachgewiesen werden, doch es gibt Untersuchungen darüber, ob eine genetische Veranlagung beteiligt sein kann. Daneben können gesellschaftliche und/oder psychische Ursachen für die Krankheit verantwortlich sein. In unserer Gesellschaft wird Übergewicht vor allem bei Frauen negativ bewertet, denn das moderne Schlankheitsideal wird von superschlanken, untergewichtigen Models, Schauspielerinnen oder Pop-Sängerinnen geprägt.

Psychische Ursachen für die Krankheit kann die Angst vor dem Erwachsenwerden sein. Mädchen in der Pubertät haben oft Identifikationsprobleme mit ihrer weiblichen Geschlechterrolle und Sexualität. Auch familiäre Probleme können eine Rolle spielen. Häufig leben die Betroffenen in Familien mit starken Bindungen und großem Harmoniestreben, in denen Konflikte nicht angesprochen werden. Die Krankheit kann dann zur Aufrechterhaltung des Familienzusammenhalts dienen, indem dadurch Spannungen und Konflikte abgeleitet werden. Mangelndes Selbstbewusstsein und eine Körperschemastörung verursachen eine tiefe Unsicherheit, die teilweise sogar in eine Depression münden kann. Häufig sind die Betroffenen auch Opfer von Vergewaltigungen.

Anorexia nervosa kann aber oft auch Symptom einer anderen Erkrankung sein.

Symptome

Bezeichnend sind eine krankhafte, eingeschränkte und extrem kontrollierte Nahrungsaufnahme und freiwilliges Hungern. Das Hungergefühl wird gegenüber der Umwelt geleugnet; oft bereiten die Betroffenen sogar aufwendige Essen für Familie oder Freunde zu, an denen sie dann selbst aber gar nicht teilnehmen. Oft sind sie sehr leistungsorientiert und normal- bis überdurchschnittlich intelligent. Sie können einen ausgeprägten Ordnungssinn und ein erhöhtes Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein aufweisen.

Die Betroffenen haben eine Körperschemastörung. Obwohl sie objektiv zu dünn sind, empfinden sie sich als zu dick. Um nicht aufzufallen, vermeiden sie Schwimmbad- und Saunabesuche und tragen weite Kleidung. Ständig beschäftigen sie sich mit Nahrung und Gewicht, treiben zwanghaft und exzessiv Sport und haben eine ungeheure Angst vor Gewichtszunahme. Aufgrund der geringen Nahrungsmengen wird der Energieverbrauch herabgesetzt, weshalb eine normale Nahrungsaufnahme zu Gewichtszunahme führt. Davor wiederum haben sie panische Angst und kontrollieren Nahrungsaufnahme und Gewicht noch strenger. In ihrem Schlankheitswahn nehmen sie zur Unterstützung der Gewichtskontrolle auch Appetitzügler und Abführmittel.
Häufig zeigen sich depressive Symptome und Reizbarkeit, die Erkrankten zeigen kein sexuelles Interesse. Häufig wird der Ausweg im Suizid gesucht.

Durch den Gewichtsverlust kann es zu schwerwiegenden körperlichen Schäden kommen. Bei Beginn der Pubertät ist die körperliche Entwicklung der Betroffenen meist stark verzögert. Aufgrund hormoneller Störungen bleibt die Menstruation meist aus.

Zu folgenden körperlichen Beeinträchtigungen kann es aufgrund des Abbaus wichtiger Köpereiweiße in Muskulatur und Herzmuskel kommen: Muskelschwäche, Verlangsamung des Herzschlags, niedriger Blutdruck, Absinken der Körpertemperatur. Durch Kaliummangel und einen gestörten Mineralstoffhaushalt kann es zu dauerhaften Schädigungen der Nierenfunktion und zu Wassereinlagerungen und Ödemen kommen. Vitamin-D-Mangel führt zu schweren Störungen des Knochenstoffwechsels. Weiterhin treten Hautprobleme und Haarausfall auf, oft entsteht eine flaumartige Behaarung des Rückens. Viele Betroffene leiden an chronischer Verstopfung, häufigen Infekten, Atembeschwerden und Bauchschmerzen.

Diagnose

An Anorexia Erkrankten fehlt oft jede Einsicht in ihre Krankheit, deshalb ist es am Anfang schwierig, die Krankheit zu erkennen.
Man spricht von Anorexia, wenn der BMI unter 17,5 oder das Körpergewicht mindestens 15 Prozent unterhalb des Normalgewichts liegt. Erkrankte verlieren durchschnittlich 45-50 Prozent ihres Ausgangsgewichtes.

Therapie

Es ist sehr schwierig, die Betroffenen für eine Behandlung zu motivieren, weil sie sich nur selten freiwillig in medizinische Behandlung begeben, sondern sich ihr Problem nicht eingestehen.

Bei extremem Untergewicht kann eine Einweisung in ein Krankenhaus lebensrettend sein. Im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit ist die Ernährung über eine Magensonde oder die Blutbahn und eine medikamentöse Behandlung notwendig. Um der aufgrund des Östrogenmangels eintretenden Osteoporose vorzubeugen, wird evtl. eine Hormontherapie angezeigt, doch die körperlichen Symptome bilden sich meist zurück, wenn die Mangel- und Unterernährung beseitigt ist.

Die Therapie ist in zwei Abschnitte unterteilt: zunächst steht die Gewichtszunahme im Vordergrund, um – vor allem wenn das Körpergewicht unter 75 Prozent des Normalgewichts liegt – körperlichen Folgeschäden entgegenzuwirken. Sobald wie möglich sollten die Betroffenen aber die Eigenverantwortung für ihr Gewicht übernehmen.

Langfristig müssen die Ursachen der Anorexie behandelt werden. Dabei erfolgt die psychotherapeutische Behandlung meist in Form von Verhaltenstherapien, aber auch psychoanalytisch orientierte Einzel- und Gruppentherapien sowie Familientherapien können notwendig sein. Die Patienten sollen ihre Vorstellungen zur Bedeutung von Gewicht und Figur überprüfen und ein besseres Gefühl für ihren eigenen Körper entwickeln sowie die Bewältigung von Problemen üben und Lösungsalternativen bei Alltagsschwierigkeiten entwickeln.

Prognose

Viele betroffene Frauen behalten eine verzerrte Einstellung zu Gewicht und Figur. Etwa 30 Prozent der behandelten Patientinnen werden wieder vollständig gesund, 35 Prozent erreichen zwar eine Gewichtszunahme, aber nie ihr Normalgewicht. Bei 25 Prozent bleibt das Krankheitsbild chronisch bestehen, und 10 Prozent der an Anorexia nervosa Erkrankten sterben.

 

Adressen zum Thema "Anorexia nervosa"

Kliniken: 12 Einträge

Rehabilitationseinrichtungen: 7 Einträge

Sozialpädiatrische Zentren: 1 Eintrag

Patientenverbände: 4 Einträge

Logopäden: 1 Eintrag

Selbsthilfegruppen: 3 Einträge

 

 



 

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