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Allergie

Überblick

Als Allergie bezeichnet man eine erworbene, spezifische Änderung der Immunreaktion gegenüber einem körperfremden, zuvor tolerierten und unschädlichen Stoff (Allergen).
Die Zahl der unter Allergien leidenden Menschen steigt in den westlichen Industrienationen ständig, auch Kinder sind häufig von Allergien betroffen. Es gibt genetische Faktoren, welche eine Allergie begünstigen, aber auch nicht erbliche Auslöser für die Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems. Nach aktuellen Studien kommen 20–25 Prozent der Neugeborenen mit einer Anlage für Allergien auf die Welt, circa 10 Prozent von ihnen erkranken später daran. Die Häufigkeit von Heuschnupfen hat sich in den letzten 60 Jahren verzehnfacht.
Es gibt verschiedene mögliche Ursachen für das verstärkte Auftreten von Allergien, z.B. fehlende Immunreaktionen in den ersten Lebensjahren (Infekte werden „unterdrückt“), veränderte Lebensbedingungen und Essgewohnheiten (möglichst „sterile“ Wohnungen, „denaturierte“ Nahrungsmittel) und eine höhere Schadstoffbelastung der Umwelt durch Abgase, Rauch und Ozonloch.
Man unterscheidet je nach Ablauf der allergischen Reaktion verschiedene Typen.
Warum manche Menschen Allergien entwickeln und andere nicht, ist bis heute nicht erforscht. Jedoch sind die Vorgänge beim Ablauf einer allergischen Reaktion relativ genau bekannt.

Ursachen

Warum lösen manche Stoffe, mit denen wir in Kontakt geraten, Allergien aus? Wieso reagiert der Körper überempfindlich auf ganz harmlose Substanzen in unserem Lebensraum? Ganz genau kann man diese Fragen noch nicht beantworten.
In den ersten Lebensjahren ist das Immunsystem sehr aktiv, Kleinkinder werden häufig krank und haben ständig Infekte, Erkältungen oder typische Kinderkrankheiten. Während dieser Zeit „trainiert“ das Immunsystem, es werden körpereigene Abwehrstoffe (Antikörper) gegen viele verschiedene Krankheitserreger (Antigene) gebildet. Es gibt Vermutungen darüber, dass das Immunsystem der Kinder durch (zu) gute hygienische Bedingungen oder wenig Kontakt zu anderen Kindern mit Krankheitserregern (z.B. im Kindergarten) nicht ausgelastet ist und dadurch beginnt, Abwehrreaktionen gegenüber Substanzen zu zeigen, die gar keine Antigene sind. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Lebensbedingungen in den Wohlstandsländern deutlich verändert, kaum ein Kind hat noch Parasiten wie z.B. Würmer. Es gibt aber ein Immunglobulin, das ist ein körpereigener Antikörper für die Immunabwehr, der Sorte E (Abkürzung IgE), welches anscheinend bei der Abwehr von Würmern eine Rolle spielt. Dieses IgE ist bei Allergikern an der Fehlreaktion des Immunsystems beteiligt, es bekämpft das vom Körper versehentlich als schädlich wahrgenommene Antigen (z.B. Pollen).
Auch Infektionskrankheiten wie Tuberkulose beanspruchen das Immunsystem stark. Seitdem diese Krankheit jedoch nur noch sehr selten vorkommt, nehmen die Allergien stetig zu.
Es gibt aber auch eine vererbbare Neigung zu Allergien (Atopie). Beim häufigsten Allergietyp, der Typ-I-Allergie, wird, genetisch bedingt, überschießend IgE gebildet. Welche Gene dafür verantwortlich sind, ist jedoch noch unbekannt.
Je nach Herkunft der Allergene unterscheidet man verschiedene Arten von Allergien. Die Auslöser der Inhalationsallergie sind in der Luft enthaltene und dadurch eingeatmete Stoffe wie Pollen, Hausstaub, Milbenkot, Pilzsporen und andere. Bei der Nahrungsmittelallergie sind die Allergene in z.B. Nüssen, Kuh- und Milchprodukten, Hühnereiern, Getreide, Gewürzen, Obst usw. enthalten. Es gibt aber auch Allergien gegenüber Arzneimitteln (z.B. Penicillin), Insektengift (z.B. Wespengift) und Kontaktallergien durch Berührung mit anderen Stoffen (z.B. Latex, Nickel, Kosmetika).

Symptome

Durch Kontakt mit einem Allergen können verschiedenste Krankheitserscheinungen ausgelöst werden. Die Entzündungssymptome treten an individuell unterschiedlichen Organsystemen auf. Häufig sind die Schleimhäute der Atemwege betroffen, die Nase ist gereizt und geschwollen, man muss ständig niesen und hat Schnupfen. Dazu kommt ein teils verschleimter Husten, der sich zu einem allergischen Asthma bronchiale mit akuter Atemnot entwickeln kann. Die Augenbindehaut entzündet sich (Konjunktivitis), das Auge ist gerötet, tränt und juckt. Allergiebedingte Symptome im Magen-Darm-Trakt können Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen sein.
Die allergische Reaktion kann Hauterkrankungen wie Ekzeme, Nesselfieber oder Neurodermitis hervorrufen. Der Zusammenhang zwischen Nahrungsmittelallergien und entzündlichen Hauterkrankungen wird gerade erforscht. Nach neuen Studien tritt bei über 50 Prozent der Kinder mit Nahrungsmittelallergien gegen Hühnerei, Weizen, Kuhmilch oder Sojabohnen nach Kontakt mit dem Allergen eine exzematöse Reaktion auf.

Die allergische Reaktion

Eine Allergie kann man in verschiedene Stadien unterteilen. Die erste Phase ist die Sensibilisierung, dabei wird bei erstmaligem Kontakt mit dem Allergen ein spezifischer Antikörper gebildet. Dies übernehmen die B-Zellen des Immunsystems – sie produzieren also den körpereigenen Abwehrstoff, Immunglobulin (IgE), gegen das bestimmte Allergen. Das IgE bindet an einen anderen Zelltyp des Immunsystems, an die Mastzellen, welche eine Schlüsselrolle bei Entzündungsreaktionen spielen.
Die eigentliche allergische Reaktion wird erst bei erneutem Kontakt mit dem Allergen nach der Sensibilisierung ausgelöst. Wenn das Allergen, wogegen es nun Antikörper gibt, wieder mit dem Menschen zusammentrifft, bindet das Allergen an die Mastzelle mit dem IgE. Nach einem Schlüssel-Schloss-Prinzip wird eine Reaktionskette in Gang gesetzt. Die Mastzelle gibt einen Botenstoff an die Umgebung ab, das Histamin. Dieses Histamin ist der Hauptverursacher der allergischen Beschwerden, da es einerseits eine entzündungsauslösende Wirkung hat und auch die Bronchien verengt. Andererseits wirkt es stark auf den Kreislauf und kann somit in Zusammenhang mit einer Allergie zum anaphylaktischen Schock führen: Es stellt die kleinen Blutgefäße weit, dadurch fällt der Blutdruck drastisch ab und der Betroffene schwebt in Lebensgefahr, so dass er sofort vom Notarzt behandelt werden muss.

Diagnose

Wichtig ist eine möglichst detaillierte Anamnese, um (vor allem nach einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock) eine sichere Diagnose zu erstellen und gezielt prophylaktisch und therapeutisch vorzugehen. Dabei ist die Mitarbeit des Patienten unerlässlich, er sollte möglichst genau beobachten und berichten, wann und wie häufig die Beschwerden auftreten. Jahreszeiten können eine Allergie begünstigen (Pollenflug im Frühling), Wohnsituation (Staub, Milben, Haustiere) oder Tageszeit und Aufenthaltsorte. Aber auch Ernährung, Körperpflege, Medikamenteneinnahme oder Stress können eine Rolle spielen. Es muss also das komplette Umfeld nach Allergenen „durchstöbert“ werden.
Um eine Allergie nachzuweisen, wird häufig ein Prick-Test gemacht. Dabei werden verschiedene Allergenextrakte in Tropfenform auf die Haut getupft und die Haut an der jeweiligen Stelle eingeritzt. Wenn gegen einen Stoff eine Allergie besteht, bilden sich um die mit dem Substrat betupfte Stelle rote, geschwollene Quaddeln. Je nach Größe und Rötung der Quaddeln kann man eine Aussage über die Stärke der Allergie machen.
Der Prick-Test dauert ungefähr 30 Minuten, dabei darf man die sich rötenden und juckenden Hautstellen nicht berühren, um das Ergebnis nicht zu verfälschen. Das halten meist nur Erwachsene geduldig aus, weshalb bei Kindern häufig das Blut untersucht wird, da man auf diese Weise das IgE im Serum und damit also auch Allergien nachweisen kann.

Therapie

Zunächst sollte man, soweit das Allergen erkannt ist, versuchen dies zu meiden. Am wichtigsten ist es also, der Substanz aus dem Weg zu gehen. Je nach Allergie sollte man dabei gewisse Verhaltensregeln beachten. Bei einer Staub- oder Milbenallergie heißt das z.B. regelmäßig lüften, „Staubfänger“ wie dicke Teppiche entsorgen, spezielle Matratzenüberzüge verwenden und regelmäßig wischen (möglichst nicht der Betroffene selber).
Außerdem können die akuten Beschwerden durch verschiedene Medikamente gelindert werden. Dazu gehören Nasensprays, welche die Schleimhaut abschwellen lassen, und verschiedenen Asthmasprays für Patienten, die an einem allergiebedingten Asthma bronchiale leiden.
Eine dauerhafte Linderung der Beschwerden kann durch eine spezifische Immuntherapie (SIT) erreicht werden. Dabei wird eine abgeschwächte Form des Allergens über einen Zeitraum von drei Jahren unter die Haut gespritzt oder oral eingenommen. Das bewirkt, dass der Körper langsam hyposensibilisiert wird, das heißt, er toleriert den Stoff, welcher vorher eine Abwehrreaktion ausgelöst hat. Je eher man diese SIT durchführt, umso größer sind die Erfolge.
Bei einer Kreuzallergie (z.B. gegen Pollen und Nahrungsmittel) kann man die Beschwerden der Nahrungsmittelallergie lindern, wenn man die SIT gegen Pollen durchführt.
Wann eine solche Therapie möglich ist und welche Faktoren dagegen sprechen, sollte jeweils mit dem behandelnden Allergologen erörtert werden.

Prävention

Die erblichen Anlagen für eine Allergie kann man nicht beeinflussen.
Um Allergien vorzubeugen, sollte man nicht rauchen.
Rauchen während der Schwangerschaft ist extrem schädlich für das Kind, auch bezüglich einer Allergie. Häufig gibt es erste allergene Reaktionen der Neugeborenen auf Fremdeiweiße, wie z.B. Kuhmilch. Daher sollte man Säuglinge vier bis sechs Monate voll stillen und erst dann nach und nach andere Kost zufüttern.

 

Adressen zum Thema "Allergie"

Kliniken: 55 Einträge

Rehabilitationseinrichtungen: 9 Einträge

Patientenverbände: 13 Einträge

Ergotherapeuten: 1 Eintrag

Selbsthilfegruppen: 10 Einträge

 

 



 

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