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Invagination

Überblick

Unter einer Invagination versteht man die Einstülpung eines Teiles des Darmes in den nachfolgenden Darmabschnitt. Diese äußerst ernst zu nehmende Erkrankung tritt gehäuft zwischen dem vierten und vierundzwanzigsten Lebensmonat auf und muss schnell behandelt werden, da es sonst zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Peritonitis (Bauchfellentzündung) oder Ileus (Darmverschluss) kommen kann. Die Invagination kann in verschiedenen Abschnitten des Darmes vorliegen. Die häufigste Form bei Säuglingen ist die ileokolische Invagination (Ileum = Krummdarm, Kolon = Dickdarm), dabei stülpt sich der letzte Teil des Dünndarms in den Dickdarm.
Bei Erwachsenen ist eine Invagination selten und wird meist durch Tumoren, Entzündungen oder Blutung verursacht.

Ursachen

Im Magen-Darm-Trakt gibt es eine wellenförmige Muskelkontraktion, die so genannte Peristaltik, welche dafür sorgt, dass die Nahrung durch die Speiseröhre, Magen und Darm zum After transportiert wird. Im ersten Lebensjahr ist diese Bewegung bei Kindern mit Invagination gestört; sie ist zu kräftig und unkoordiniert. Wie es zu dieser Störung der Peristaltik kommt, ist noch nicht genau bekannt, jedoch können anatomische Besonderheiten (wie zum Beispiel eine Veränderung im Bau der Darmwand) die Einstülpung begünstigen.
Häufig verursachen auch Infekte mit Schwellung der Darmschleimhaut oder entzündliche Lymphknotenschwellungen (Lymphadenitis) eine Invagination. Über 60 Prozent der erkrankten Kinder sind unter einem Jahr alt, seltener (nur bei ca. 10 Prozent der Erkrankten) tritt eine Invagination bei Kindern, die älter als drei Jahre sind, auf .
Auch das sog. Meckel-Divertikel – das ist eine kleine, sackförmige Ausstülpung des Dickdarmes – kann eine Invagination verursachen.

Symptome

Eine Invagination verursacht große Schmerzen, welche in Intervallen auftreten. Zu Beginn sind die Bauchkrämpfe heftig, Säuglinge schreien ununterbrochen und lassen sich kaum beruhigen. Nach den plötzlichen Bauchschmerzen kommt eine trügerische, reizlose Phase, während der die Schmerzen nachlassen und der Säugling sich etwas beruhigt (und wohl auch vom vielen Schreien erschöpft ist). Jedoch folgt darauf wieder eine neue Schmerzwelle, begleitet von galleartigem Erbrechen. Meist ziehen die Kinder vor Schmerzen die Beine an den Bauch. Hinzu kommen Spätsymptome (6 bis 12 Stunden nach Beginn der Invagination) wie blutiger, schleimiger Stuhl und eine von außen tastbare, walzenförmige und bei Druck schmerzhafte Wulst.
Im Extremfall können die Schmerzen bis zur Schocksymptomatik führen, was sich in blasser, kühler und feuchter Haut, abfallendem Blutdruck und schnellem Puls äußert. Betroffene sind in Lebensgefahr und müssen schnell und gezielt behandelt werden!

Komplikationen

Durch die Einstülpung des Darmes kann es zu einem mechanischen Darmverschluss (Ileus) kommen. Dabei wird die Durchblutung des eingestülpten Abschnittes unterbrochen und der damit verbundene Sauerstoffmangel im nicht durchbluteten Gewebe führt zum Absterben der Zellen (Nekrose). Aufgrund des Zelltodes wird die Darmwand zerstört, es entstehen Löcher (Perforation) und Bakterien der Darmflora treten aus. Diese lösen Entzündungen des Bauchfells (Peritonitis) oder der gesamten Bauchhöhle mit den darin liegenden Organen aus.

Diagnose

Die Invagination wird bei der Ultraschalluntersuchung sichtbar. Der eingestülpte Darmabschnitt stellt sich in konzentrischen Ringen dar, man spricht von einem so genannten Zielscheibenphänomen. Außerdem wird ein Kontrastmitteleinlauf gemacht; dabei wird der Darm mit Flüssigkeit gefüllt, welche im Röntgenbild sichtbar ist. Das Kontrastmittel stellt den Invaginatkopf sichelförmig dar, denn in diesem Bereich kann die Flüssigkeit nicht weiter fließen.
Beim Abhorchen des Bauches sind Ileusgeräusche feststellbar.

Therapie

Zuerst wird versucht, die Reposition des Darms konservativ zu erreichen, dies ist jedoch bei einem Rückfall, großem Blutverlust oder einer Bauchfellentzündung nicht möglich. Bei der konservativen Therapie wird der Darm mit Flüssigkeit (physiologische Kochsalzlösung und Kontrastmittel) oder einem CO2-Luftgemisch gefüllt und dadurch die Devagination herbeigeführt. Dies wird mit Hilfe der Röntgendiagnostik überwacht. Innerhalb der ersten 24 Stunden nach Beginn der Invagination ist dieses Vorgehen in 75 bis 80 Prozent der Fälle erfolgreich. Wenn nicht, muss operiert werden.
Bei der Operation in Vollnarkose wird mit einem Längsschnitt der Bauchraum eröffnet und der Darm vom Chirurgen in seine ursprüngliche Position gebracht. Falls durch Invagination oder Darmverschluss ein Teil des Darmes abgestorben ist, wird dieser entfernt und die Schnittstellen werden vernäht. Bei 10 Prozent der therapierten Kinder kommt es in den ersten Tagen nach der Behandlung zu einer erneuten Einstülpung, dann wird jedoch sofort operiert.
Bei erfolgreicher Behandlung hinterlässt die Invagination keine bleibenden Schäden.

Prophylaxe

Eine vorbeugende Verhaltensweise ist nicht möglich.

 

 



 

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