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Autismus

Überblick

Der Schweizer Psychiater Ernst Bleuler prägte den Begriff Autismus (von griech. autos=selbst) bereits 1911, betrachtete die von ihm beobachtete Störung jedoch als Begleiterscheinung bei einigen schizophrenen Patienten. Erst 1943 beschrieb Leo Kanner, Kinderpsychologe an der Harvard University, frühkindlichen Autismus (Kanner-Syndrom) als eigenständiges Krankheitsbild. Unabhängig von ihm bezeichnete ein Jahr später auch der österreichische Kinderarzt Hans Asperger ähnliche Störungen bei Kindern ab drei Jahren als kindlichen Autismus oder autistische Persönlichkeitsstörung (Asperger-Syndrom).
Autismus ist eine schwere Entwicklungsstörung, die sich oft schon im Säuglingsalter durch mangelnde Kontaktaufnahme zu Bezugspersonen zeigt. Kinder mit autistischen Zügen haben eine tiefgreifende Beziehungs- und Kommunikationsstörung. Sie können weder zu Eltern noch zu anderen Kindern ein normales Verhältnis aufbauen. Da sie anfänglich keine Gesten verstehen können, ziehen sie sich zurück und kapseln sich „autistisch“ ab. Autistische Kinder können nicht spielen, sie entwickeln Stereotypien wie z.B. Drehen und Kreiseln von Rädern oder das Wedeln mit Papier. Sie neigen dazu, Dinge zu wiederholen und exzessiv Gegenstände zu sammeln. Die Intelligenz autistischer Kinder ist sehr unterschiedlich. Sie kann von geistiger Behinderung bis hin zu normaler Intelligenz reichen. Oft kommt es vor, dass diese Kinder in Teilbereichen (Rechnen, technische Disziplinen, Musik etc.) erstaunliche Fähigkeiten besitzen.
Nach internationalen Untersuchungen sind von 10 000 Kindern vier bis fünf autistisch. Jungen sind drei- bis viermal häufiger betroffen als Mädchen.

Ursachen

Bislang gibt es noch kein Erklärungsmodell, das die Ursachen für diese Krankheit belegen kann. Es wird jedoch heute von biologischen bzw. neurophysiologischen Ursachen ausgegangen, und Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Faktoren scheinen eine entscheidende Rolle zu spielen.
Die Tatsache, dass Geschwister von Autisten, die selbst aber nicht von der Krankheit betroffen sind, nicht selten auch an geistigen Defiziten oder Entwicklungsstörungen leiden, unterstützt die Theorie, dass an der Entstehung des Autismus genetische Faktoren beteiligt sind. Bei eineiigen Zwillingen besteht eine Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent, dass beide an Autismus leiden, bei zweieiigen immer noch 23 Prozent.
Eine weitere Rolle spielen Hirnschädigungen bzw. Hirnentwicklungsstörungen. Die Hirnareale, die soziales Verhalten und Sprachentwicklung steuern, sind bei autistischen Kindern oft unterentwickelt und schlechter durchblutet.
Bei vielen Kindern mit Autismus wurde eine Störung in der Ausschüttung der Botenstoffe Serotonin, Dopamin und Noradrenalin gefunden, was deren gestörtes Sozialverhalten, Aufmerksamkeits- und Lernstörungen erklären könnte. Bei manchen Kindern reagiert das Immunsystem auf den Stoff Serotonin mit einer Abwehrreaktion.
Eine Erkrankung der Mutter an Röteln während der Schwangerschaft erhöht das Risiko des Kindes, autistisch zu werden, ca. um das Zehnfache.

Symptome

Folgende Auffälligkeiten lassen sich in unterschiedlich ausgeprägter Form beobachten:

  • Vermeiden von Blickkontakt
  • Bizarre, sinnlose Bewegungen, die sie ständig wiederholen (wie Schaukeln des Oberkörpers)
  • Verzögerter Spracherwerb
  • Echolalie (stereotypes Wiederholen von Begriffen)
  • Teilweise aggressives Verhalten
  • Wirken völlig unbeteiligt
  • Außergewöhnliche Teilbegabungen
  • Kein Spielen mit anderen Kindern
  • Kein kreatives Spielen
  • Verweigerung von Veränderungen
  • Keine Angst vor normalen Gefahren

Je nach Form des Autismus kann man unterschiedliche Symptome unterscheiden:
Das Kanner-Syndrom bezeichnet den frühkindlichen Autismus. Schon als Säugling meiden diese Kinder Blickkontakt sowie Berührung. Kinder mit diesem Syndrom erfassen die Anwesenheit ihrer Mitmenschen scheinbar kaum oder gar nicht und reagieren nicht auf sie. Sie schreien oft immer auf dieselbe Art und Weise, so dass für die Eltern der Grund ihres Schreiens nicht erkennbar ist. Je älter sie werden, desto weniger auffällig werden diese sozialen Beeinträchtigungen. Allerdings bleibt die Schwierigkeit, zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen, was auch an dem mangelnden Einfühlungsvermögen für die Gefühle anderer liegt. Kinder mit dem Kanner-Syndrom reden auf ihr Gegenüber ein, anstatt sich zu unterhalten. Die Intelligenz dieser Kinder ist meist stark unterentwickelt bis hin zur geistigen Behinderung. Ihre Sprachentwicklung ist stark beeinträchtigt oder bleibt ganz aus, dafür haben sie eine unauffällige Motorik. Sie führen oft immer wiederkehrende Bewegungen aus und neigen dazu, sich selbst zu verletzen.
Die ersten Symptome treten beim Asperger-Syndrom ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr auf. Die eingeschränkte Kontaktfähigkeit der betroffenen Kinder wird meist erst in der Grundschule bemerkt. Allerdings sind die Störungen nicht so tiefgreifend wie beim Kanner-Syndrom. Meist sind die Betroffenen durchschnittlich oder sogar überdurchschnittlich intelligent, leiden aber trotzdem, da sie sich schnell durch ihre eigenen Gedanken ablenken lassen. Bei Frustration reagieren sie oft mit Wutausbrüchen, z.B. bei Aufforderungen oder Beschränkungen. In der motorischen Entwicklung bleiben sie zurück und wirken oft linkisch und unbeholfen.
Beim psychogenen Autismus leiden die Patienten unter Störungen der Kommunikationsfähigkeit, emotionaler Gleichgültigkeit und fehlender Initiative. Da sich die Symptome nach intensiver Zuwendung wesentlich verbessern, nimmt man als Grund für diese Form des Autismus Vernachlässigung an.
Der somatogene Autismus geht mit einer schweren Störung des Gehirns einher. Bevor es Antibiotika gab, trat diese Erkrankung häufig in Folge von Hirnentzündungen auf. Das Hauptsymptom ist die mangelnde Kontaktfähigkeit.

Therapie

Eine vollständige Genesung der Krankheit ist nur äußerst selten, da es sich bei Autismus um eine chronische Störung handelt. Auch die Chancen auf einen guten Verlauf sind unterschiedlich. Erwachsene Autisten haben generell weniger Symptome als Kinder, und Autisten mit dem Asperger-Syndrom sind aufgrund ihrer Intelligenz meist in der Lage, weitgehend ein selbständiges Leben zu führen, bleiben jedoch auch gesellschaftlich isoliert und fordern viel Verständnis von ihrer Umwelt. Andere Autisten benötigen oft noch als Erwachsene professionelle Betreuung.
Es gibt verschiedene Therapieansätze, einer der wichtigsten ist das Verhaltenstraining. Die Eltern werden in die psychologische Behandlung ihrer autistischen Kinder stark eingebunden. Oft wird darauf geachtet, dass Eltern positives Verhalten belohnen, um so das Kind dazu zu bringen, sich seiner Umwelt zu öffnen. Sprachtraining und Körpertherapie spielen eine entscheidende Rolle. Aber am wichtigsten ist das geeignete Lebensumfeld für die Autisten, das frei von ständigen Wechseln und Überraschungen, sondern stabil und klar strukturiert sein muss.
Des Weiteren helfen kasein- und glutenfreie Ernährung bei Darmproblemen, die Zufuhr von Vitaminen bei Stoffwechselstörungen und spezielle Trainingsprogramme bei Wahrnehmungsstörungen. Durch Medikamente, die den Serotoninspiegel senken, können das Verhalten und die geistigen Fähigkeiten verbessert werden.
In den letzten Jahren wurden Therapieformen, wie z.B. das Spielen mit zahmen Tieren wie Delfinen, entwickelt, die allerdings wissenschaftlich noch nicht erforscht sind. Im Rahmen einer kompletten Therapie, inklusive psychologischer Betreuung und logopädischer Behandlung, können diese neuen Therapieformen als zusätzlicher Baustein allerdings durchaus sinnvoll sein.

 

Adressen zum Thema "Autismus"

Kliniken: 2 Einträge

Rehabilitationseinrichtungen: 2 Einträge

Patientenverbände: 28 Einträge

Selbsthilfegruppen: 28 Einträge

 

 



 

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