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Alpha-1-Antitrypsinmangel

Überblick

Synonyme: Alpha-1-Proteaseninhibitormangel, Alpha-1-PI-Mangel

Der Alpha-1-Antitrypsinmangel ist eine seltene, genetisch bedingte Krankheit, die in verschiedenen Variationen vererbt werden kann und vor allem bei Weißen europäischer Abstammung in einer Häufigkeit von 1:300 auftritt.
Alpha-1-Antitrypsin ist ein Glykoprotein, welches Stoffwechselvorgänge reguliert. Durch eine genetische Veränderung am Chromosom 14 wird dieses Glykoprotein in einer anderen Form in der Leber gebildet und kann nicht ausgeschüttet werden. Dies hat zur Folge, dass Lungen- und/oder Lebergewebe zerstört wird. Durch wöchentliche Injektionen kann man den Mangel an Alpha-1-Antitrypsin ausgleichen, dadurch aber kein bereits zugrunde gegangenes Gewebe retten.
Bei Neugeborenen führt ein homozygoter Alpha-1-Antitrypsinmangel (PI ZZ, siehe unten) in 20 Prozent der Fälle zu einer Lebererkrankung. Es kommt jedoch nicht bei allen Formen des Alpha-1-Antitrypsinmangels zu klinisch relevanten Folgen.

Ursache

Der Alpha-1-Antitrypsinmangel wird vererbt. Alpha-1-Antitrypsin hat die Aufgabe, Proteasen zu hemmen. Proteasen sind Enzyme, die Proteine (Eiweiße) „zerschneiden“. Im Körper werden sie benötigt, um z.B. die Nahrung zu verdauen oder eingedrungene Bakterien zu beseitigen. Alpha-1-Antitrypsin wird auch als Proteaseninhibitor (Alpha-1-PI) bezeichnet. Dieses Alpha-1-PI wird autosomal-kodominant vererbt, dass heißt, mütterliche und väterliche Anlagen werden kombiniert und können so zu verschiedenen Variationen des Alpha-1-PI führen. Wenn ein gesunder Abschnitt vererbt wurde, besteht keine Krankheitsgefahr.
Es gibt sehr viele verschiedene Varianten des Alpha-1-PI, welche man durch Buchstaben unterscheidet. Die gesunde, physiologische Form heißt Alpha-1-PI MM. PI MZ und PI MS sind heterozygote („mischerbige“) Varianten, die verursachen, dass das Alpha-1-Antitrypsin vermindert im Blut vorhanden ist, aber nicht unter 40 Prozent des normalen Bereichs. Bei der homozygoten („reinerbigen“) Variante PI ZZ beträgt die Konzentration des Alpha-1-Antitrypsins nur 10 bis 20 Prozent des Normwertes, was in der Intensität der Erkrankung deutlich wird.

Die Lunge ist als Organ des Gasaustauschs direkt mit der „Außenwelt“ verbunden und muss alle eingeatmeten Bakterien, Staubpartikel und Mikroorganismen abwehren. Dazu leben in den Lungenbläschen sehr viele Makrophagen („Fresszellen“). Sie produzieren Proteasen, welche z.B. die Zellwände von Bakterien zerstören. Natürlich müssen die Proteasen auch gehemmt werden, damit sie nicht körpereigenes Gewebe angreifen. Die Regulation der Proteasen übernimmt das Alpha-1-Antitrypsin. Da bei einem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel nicht genügend Alpha-1-Antitrypsin vorhanden ist, um die Abbauaktivität der Proteasen zu hemmen, wird Lungengewebe zerstört. Die vielen kleinen Lungenbläschen verlieren ihre Spannung, fallen ein und schließen sich zu größeren Blasen zusammen. Diese irreversible Erweiterung der Lungenbläschen (Alveolen) und Bronchiolen (kleine, luftleitende Gänge) nennt man Lungenemphysem.
Da das Alpha-1-Antitrypsin in der Leber gebildet wird, hat es auch dort bei fehlerhafter Synthese pathologische („krank machende“) Auswirkungen. Die Struktur des Alpha-1-Antitrypsins ist bei schweren Formen wie z.B. PI ZZ so verändert, dass es zwar noch in den Leberzellen gebildet wird, diese aber nicht mehr verlassen kann und so die Zellen schädigt. Die Folge dieser Lebererkrankung kann eine Leberzirrhose sein, eine sehr schwerwiegende Erkrankung, bei der das Lebergewebe vernarbt und nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden kann.

Symptome

Durch den Alpha-1-Antitrypsin-Mangel kommt es zur chronisch obstruktiven Bronchitis (COPD) oder anderen chronischen Atemwegserkrankungen. Diese äußern sich durch Husten mit zähem, schleimigem Auswurf, Atemnot oder Kurzatmigkeit.
Bei Kindern, die früh an Lebererkrankungen leiden, muss immer ein möglicher Alpha-1-Antitrypsin-Mangel bedacht werden. Es kann zu chronischen Lebererkrankungen, Hepatitis und auch zur Leberzirrhose kommen, mit Symptomen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Gewichtsveränderung.

Diagnose

Bei einer Untersuchung des Blutes wird die Konzentration des Alpha-1-Antitrypsins ermittelt und die Variation des Alpha-1-Antitrypsin (PI ZZ, SZ, MZ) bestimmt. Außerdem kann man in den Leberzellen kleine Einschlusskörperchen, welche Alpha-1-Antitrypsin enthalten, nachweisen. Zudem wird eine Lungenfunktionsprüfung durchgeführt.

Therapie

Bei schwerem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel kann der Wert durch eine wöchentliche Substitution mit Alpha-1-Antitrypsin-Konzentrat wieder gesteigert werden. Unabdingbare Voraussetzung dafür ist der Verzicht auf Rauchen.
Wenn ein metastasierendes Leberzellkarzinom („Krebs“) ausgeschlossen werden konnte, kann eine Lebertransplantation den Alpha-1-Antitrypsin- Mangel teilweise beseitigen.

Risikofaktoren

Raucher sind viel stärker gefährdet, ein Lungenemphysem zu bekommen, als Nichtraucher. Durch den Abbau des Zigarettenrauchs entstehen Stoffe, welche das gering vorhandene Alpha-1-Antitrypsin inaktivieren und somit eine noch schnellere und aggressivere Gewebezerstörung fördern.

 

Adressen zum Thema "Alpha-1-Antitrypsinmangel"

Patientenverbände: 1 Eintrag

Selbsthilfegruppen: 1 Eintrag

 

 



 

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