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Adrenogenitales Syndrom

Überblick

Synonym: AGS

Mit dem Begriff Adrenogenitales Syndrom (adreno=Nebenniere; genitale=Geschlecht) wird eine Stoffwechselkrankheit bezeichnet, die durch eine gestörte Hormonbildung der Nebenniere verursacht wird. Genauer gesagt, ist bei AGS die Umwandlung von Cholesterin in die Hormone Cortison und Aldosteron der Nebennierenrinde gestört. Durch die daraus resultierenden zu niedrigen Hormonspiegel im Blut wird die Nebennierenrinde überstimuliert, um mehr von diesen Hormonen zu produzieren. Allerdings ist sie nur in der Lage, die Vorläuferhormone der Nebennierenrindenhormone herzustellen, und diese wiederum reichern sich an. Ein Teil dieser Hormone wird aufgrund eines verschobenen biochemischen Gleichgewichtes in Androgene (männliche Geschlechtshormone) umgewandelt.
Bei diesem Syndrom liegen also ein Mangel an den Nebennierenhormonen Cortison und Aldosteron sowie ein Überschuss an männlichen Hormonen vor.

Ursachen

Ausgelöst wird diese genetisch bedingte Stoffwechselkrankheit durch das Fehlen des Enzyms, das an der Umwandlung von Cholesterin in die Nebennierenrindenhormone Cortison und Aldosteron beteiligt ist. Aufgrund des fehlenden Enzyms wird der Stoffwechselweg blockiert und es sammeln sich die bis dahin produzierten Vorläuferhormone an. Die Ursache für den Enzymdefekt ist wiederum ein autosomal rezessiv vererbter Gendefekt. Wenn beide Elternteile Träger des defekten Gens sind, besteht die Wahrscheinlichkeit, ein krankes Kind zu bekommen, bei 25 Prozent.

Symptome

Das AGS kann in unterschiedlichen Formen, mit jeweils etwas anderen Symptomen auftreten.

Die klassische Form

Bei den Mädchen besteht bereits bei der Geburt eine „Vermännlichung“ des Genitals, die sich in einer vergrößerten Klitoris oder sogar in einem Pseudopenis äußert. Die inneren Geschlechtsorgane sind weiblich. Weitere Symptome sind: frühe Schamhaarentwicklung, unzureichende Brustentwicklung, Regelstörungen, Unfruchtbarkeit, stärkere Behaarung und eine tiefe Stimme.

Die Jungen haben ein normales Genital, leiden im Erwachsenenalter jedoch meist an einer gestörten Ausbildung der Hoden sowie einer „Verweiblichung“ und bleiben zeugungsunfähig. Im Alter von etwa fünf Jahren kommt es zu einer frühen Scheinpubertät mit der Entwicklung von Schambehaarung und einem großen Penis, die Hoden bleiben jedoch unterentwickelt.

Die Mädchen und Jungen sind zunächst zu groß für ihr Alter, allerdings hört das schnelle Wachstum auch früher wieder auf und als Erwachsene bleiben sie eher kleinwüchsig.
Im Erwachsenenalter können sich Geschwulste in der Nebennierenrinde entwickeln.

Die klassische Form mit Salzverlust

Das Hormon Aldosteron als Mineralkortikoid steuert den Salz- und Wasserhaushalt des Körpers, indem es verhindert, dass zuviel Wasser und Salz über die Nieren ausgeschieden werden, und deren Rückresorbtion in die Nieren reguliert. Aufgrund des Mangels an diesem Hormon verliert der Körper eines AGS-Babys viel Salz und Wasser, sie sind apathisch und erbrechen. Es kommt zu einer lebensbedrohlichen "Salzverlustkrise" und einer Übersäuerung des Organismus.

Die nicht klassische Form

Diese Form verläuft zunächst unauffällig und die Kinder sind bei ihrer Geburt anatomisch normal. Man nennt diese Form auch „Late onset AGS“, was bedeutet, dass die Symptome erst später und meist etwas abgemilderter auftreten als in der klassischen Form. Als Erwachsene sind die Betroffenen meist nur gering kleinwüchsig, Frauen haben aber Probleme bei der Empfängnis und Männer bleiben meist zeugungsunfähig.

Die nicht klassische, kryptische Form

Die Kinder, die von dieser Form des AGS betroffen sind, bleiben gesund und völlig symptomlos, obwohl sich durch Bluttests eine Hormonstörung nachweisen lässt.

Diagnose

Bei Kleinkindern erkennt man AGS an einer erhöhten Körpergröße sowie den äußeren Merkmalen, die durch den Überschuss an männlichen Hormonen verursacht wurden. Bei Mädchen sieht man die „Vermännlichung“ des äußeren Geschlechts oft schon nach der Geburt oder im späteren Kindesalter.
Der Arzt bestätigt die Diagnose mittels einer laborchemischen Analyse, bei der bestimmte Hormonwerte gemessen werden, wobei die Nebennierenrindenhormone extrem niedrig sind und ihre Vorläuferhormone extrem hoch. Ein Urintest zeigt die Abbauprodukte der angehäuften Vorläuferhormone. Mit Hilfe einer Genanalyse lässt sich die Mutation auf dem Gen nachweisen.
Bei Verdacht kann die Diagnose auch bereits vor der Geburt mit einer Fruchtwasseruntersuchung oder eine Chorionzottenbiopsie (Mutterkuchenuntersuchung) gestellt werden.

Therapie

Die Therapie erfolgt beim klassischen AGS immer durch Zuführung der fehlenden Hormone, die in Form von Tabletten eingenommen werden können. Diese Tabletten müssen allerdings ein Leben lang eingenommen werden, da die Krankheit sonst tödlich verläuft.
Wird das AGS schon vor der Geburt festgestellt und ist das Kind weiblich, nimmt die Mutter ein Medikament ein, das die Bildung von männlichen Geschlechtshormonen und damit die Ausbildung eines vermännlichten Genitals verhindert. Das Medikament gelangt über die Plazenta zum Kind.
Die vermännlichten weiblichen äußeren Geschlechtsorgane (Pseudopenis oder ein zu enger Scheideneingang) lassen sich aber auch im ersten Lebensjahr operativ korrigieren.
Bei den anderen Formen des AGS richtet sich die Behandlung nach den auftretenden Symptomen.
Die Salzverlustkrise wird akut durch die Gabe von Flüssigkeit und Salz und einer Abpufferung der Übersäuerung des Blutes behandelt. Die Zuführung von Aldosteron verhindert ein erneutes Auftreten.

Prophylaxe

Eine vorgeburtliche Diagnostik sollte vorgenommen werden, wenn in einer Familie bereits ein Kind am AGS erkrankt ist oder bekannt ist, dass beide Elternteile Anlagenträger sind. Dann erhält die Schwangere Medikamente, die die Bildung der Androgene hemmen. Wird festgestellt, dass das Kind ein Junge und/oder gesund ist, stellt man diese Medikamentenzufuhr wieder ein.

Prognose

Bei frühem Behandlungsbeginn, bei Mädchen möglichst schon vor der Geburt, kann die Krankheit sehr gut behandelt werden. Die Betroffenen können bei guter Einstellung der Medikamente ein ganz normales Leben führen und sind auch fruchtbar bzw. zeugungsfähig.

 

Adressen zum Thema "Adrenogenitales Syndrom"

Patientenverbände: 6 Einträge

Selbsthilfegruppen: 2 Einträge

 

 



 

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